Allgemeines zur Trauer
- Man darf um das geliebte Tier trauern!
- Trauer ist ein individueller Prozess, bei dem jeder/jede unterschiedliche Reaktionen zeigt und auch zeigen darf!
- Trauerphasen verlaufen unterschiedlich und sind bei jedem/jeder anders, auch was die Dauer einzelner Trauerphasen betrifft!
- Trauer und Trauerarbeit sind notwendige Prozesse, um das „seelische Gleichgewicht“ wiederherzustellen!
Es gibt zahlreiche Trauertheorien mit teils sehr ähnlichen und teils unterschiedlichen Trauerphasen.
Auf der Internetseite des Colleges für Veterinärmedizin der Washington State University, die eine „Pet Loss Hotline“ (Telefonhotline für TierbesitzerInnen, deren Tier gestorben ist) betreiben, werden folgende Trauerphasen aufgelistet:
- Benommenheit: Schwanken zwischen Wahrhaben und Nicht-Wahrhaben
- Desorganisation: persönliches Chaos; intensives Wahrhaben des Verlustes, vor dem man fliehen möchte; starke Emotionen und Erschöpfung; Schwierigkeiten bei manchen normalen Aktivitäten; Zorn; Trauer; Depression und Verzweiflung; Eifersucht anderen gegenüber, die keinen so einen Verlust erfahren haben; langsames Verstehen der Folgen des Verlustes
- Reorganisation: langsames Finden einer neuen Ausgeglichenheit; der Trauerprozess schreitet voran; die physischen Anzeichen der Trauer werden weniger; der Verlustschmerz ist noch vorherrschend, aber die Hoffnung kehrt zurück
Quelle: www.vetmed.wsu.edu/PLHL/grief/index.aspx (Stand: 29.01.2009)
In einem Artikel der Zeitschrift „Medizinische Klinik“ zum Thema „Arzt und Trauer“ geben die Autoren Weber, Weiher & Smeding (2008) eine gute Kurz-Übersicht über verschiedene Trauermodelle und körperliche und seelische Reaktionen.
Verschiedene Trauermodelle und deren Trauerphasen:
„Bowlby & Parkes (1970):
- Betäubung
- Sehnsucht/Verzehrung
- Abbruch/Verzweiflung
- Neuaufbau/Reorganisation
Kast (1982):
- Nicht-wahrhaben-Wollen
- Ausbruch der Emotionen
- Suchen und sich Trennen
- Neuer Selbst- und Weltbezug
Zielorientiertes Modell nach Worden (1982/1991):
- Die Realität des Verlustes akzeptieren
- Den Trauerschmerz erfahren und durchleben
- Sich einer Umgebung anpassen, in der der Verstorbene fehlt
- Dem Verstorbenen emotional einen neuen Platz zuweisen und das eigene Leben wieder aufnehmen
Gezeitenmodell nach Smeding (2005)
- Loch in der Mitte, das alle bisherige Lebensenergie aufzusaugen droht
- Schleusenzeit zwischen Tod und Begräbnis
- Januszeit (Spannung zwischen „Entweder-Oder“: Sicht nur nach hinten oder nur nach vorn gerichtet)
- Labyrinthzeit (neu zu suchender Weg)
- Regenbogenzeit – Lösung der Spannung (Sicht nach vorn und hinten gerichtet)“ (S. 533)
Als körperliche und seelische Reaktionen während der Trauer werden unter anderem aufgelistet (S. 534):
- Körperlicher Bereich: Übelkeit, Schwindelanfälle, Atemnot, Mundtrockenheit, Müdigkeit, verminderte Nahrungsaufnahme, verminderte/vermehrte sexuelle Impulse
- Psychischer Bereich: Angst- und Schuldgefühle, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Emotionale Labilität, Reizbarkeit, Hilflosigkeit, Verleugnung der Wirklichkeit des Todes, schmerzhafte Sehnsucht und Gedanken an den Verstorbenen
- Sozialer Bereich: Rückzug aus gewohnten gesellschaftlichen Aktivitäten und Beziehungen
- Spiritueller Bereich: Hadern mit Gott, Zweifel an Gottesbildern, Gefühle der Sinn- und Wertlosigkeit
Quelle: Weber, M., Weiher, E. & Smeding, R.M. (2008). Arzt und Trauer. Medizinische Klinik, 103, 532-539.
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